Vor einigen Monaten stand ich vor einer Herausforderung, die viele Eltern kennen: Mein Sohn (damals drei) hatte immer wieder Wutausbrüche, die für mich oft aus heiterem Himmel kamen.Ich verstand ihn einfach nicht und ich fühlte mich hilflos. Warum war er so wütend? Lag es an mir? Wann hört das endlich auf? Wie kann und sollte ich reagieren?
Je nach meiner eigenen Tagesform versuchte ich verschiedenste Dinge: von trösten, gut zureden, ignorieren bis hin zu drohen – aber nichts schien zu helfen.

Der Schlüssel lag darin, ihn zu sehen – wirklich zu sehen.
Irgendwann bemerkte ich, dass viele seiner Wutausbrüche dann passierten, wenn er sich nicht selbst ausprobieren oder entscheiden durfte. Es war, als ob er mir zeigen wollte: „Mama, ich kann das selbst!“ Aber in meinem Bemühen, ihm zu helfen oder ihn zu beschützen (oder auch nur, um etwas vermeintlich zu beschleunigen), nahm ich ihm diese Möglichkeiten. Ich merkte, dass er nicht einfach wütend war, sondern dass er ein tiefes Bedürfnis nach Autonomie und Selbstbestimmung hatte (und noch immer hat! ;-)).
Selbst machen und entscheiden – das war der Hebel, der vieles veränderte
Ich begann, ihm mehr Freiheit zu geben, Dinge selbst ausprobieren, Entscheidungen selbst zu treffen. Welches T-Shirt er anziehen wollte, ob er den roten oder den blauen Becher benutzen wollte, oder ob er zuerst die Zähne putzen oder das Pyjama anziehen wollte. Aber auch Dinge selber machen, wie einen Apfel schneiden, eine Schorle selbst mischen oder Essen aus dem heißen Topf holen. Dieses Vertrauen in ihn und die kleinen Entscheidungen machten einen riesigen Unterschied. Plötzlich fühlte er sich gesehen und respektiert, und seine Wutausbrüche wurden weniger.
Selbstfürsorge als Schlüssel: Wie ich lernte, meine eigenen Bedürfnisse zu beachten
Doch dieser Prozess begann nicht bei ihm, sondern bei mir. Bevor ich seine Bedürfnisse sehen konnte, musste ich meine eigenen Bedürfnisse erst einmal wieder erkennen und wahrnehmen.
Zu dem Zeitpunkt war ich hauptsächlich am Funktionieren – zerrissen zwischen Job, Kind, Sport und Freunden. Es war, als wäre mein eigener Akku ständig leer und mit meiner letzten Kraftreserve versuchte ich, meinen Sohn zu betreuen. Erst als ich begann, mich wieder um mich selbst zu kümmern, Pausen einzubauen und zu schauen, in welchem Energielevel ich vor dem Abholen vom Kindergarten unterwegs war (war es noch gelb oder schon rot? Wenn rot, was konnte ich tun, um wieder mindestens in den gelben Bereich zu kommen?), konnte ich mit einem halbwegs vollen Akku bei meinem Sohn sein. Erst dann hatte ich die Zeit, Energie und die Geduld, wieder auf ihn zu achten und seine Bedürfnisse wirklich zu sehen.
Es war ein Prozess des gegenseitigen Lernens und Wachstums
Heute sind die Wutausbrüche viel seltener geworden, und wenn sie doch einmal passieren, weiß ich, dass es nicht gegen mich gerichtet ist. Es ist einfach ein Teil seiner Entwicklung und seines Weges, seine eigenen Grenzen und Bedürfnisse zu verstehen. Und ich bin dankbar dafür, dass ich gelernt habe, ihn wirklich zu sehen – und mich selbst auch. Das klappt leider noch nicht an jedem Tag, aber immer öfter!
Wir haben beide gelernt, unsere Bedürfnisse anzusprechen und dafür einzustehen. Es passiert immer wieder, dass er nun zu mir sagt: „Mama, lass mich das selbst machen.“ Woher er das nur hat…? 😀
Wenn du ähnliche Erfahrungen machst, möchte ich dir Mut machen: Nimm dir die Zeit, hinzuschauen und zuzuhören. Manchmal brauchen unsere Kinder nicht mehr, als dass wir sie sehen und ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Und manchmal müssen wir auch lernen, uns selbst wieder ernst zu nehmen und auf uns zu achten, um für sie da sein zu können.
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