Der Moment, in dem ich einfach stehen blieb
Es war ein ganz normaler Tag – oder besser gesagt: ein ganz normaler Arbeitstag. Ich hatte auf der Arbeit alles gegeben- für eine Sache gekämpft, die mir wichtig war. Ich war spät dran, mein Sohn wartete im Kindergarten, und ich wusste: Gleich muss ich wieder funktionieren. Spielplatz. Abendessen. Abendroutine. Aber eigentlich hatte ich das Bedürfnis, erst einmal zur Ruhe kommen, durchzuatmen. Also blieb ich stehen. Und setzte mich einfach auf eine Bank, direkt im Park neben dem Kindergarten.

Keine Tränen. Kein Drama. Nur diese stille, klare Erkenntnis: „So will ich nicht weitermachen.“
Denn das Schlimmste war nicht meine Erschöpfung. Ich gab im Job alles – und kam mit leerem Akku nach Hause. Es war die Erkenntnis, dass ich zwar „funktionierte“ – aber auf Kosten der Menschen, die mir am wichtigsten waren.
Warum „Durchhalten“ meine Familie belastete
Ich dachte immer, ich mache das schon gut so und es passt für mich: Im Job Vollgas geben, für meinen Sohn da sein, Ehrenamt, Freunde treffen. Doch irgendwann merkte ich: Ich war zwar körperlich anwesend – aber nicht aufnahmefähig für andere Dinge. Viele Dinge waren nur ein weiteres abgehaktes To-Do.
- Wenn mein Sohn mir etwas erzählen wollte, hörte ich nur mit halbem Ohr zu, weil ich mental schon beim nächsten To-Do war.
- Ich war schneller gereizt, weil meine Reserven aufgebraucht waren.
- Selbst die schönen Momente fühlte ich nicht mehr wirklich – ich war einfach nur anwesend.
Die Ampel-Methode: Wie ich lernte, Selbstfürsorge in meinen Alltag einzubauen
An diesem Tag auf der Bank entschied ich, dass sich etwas ändern muss. Ich begann, meinen Energielevel in drei Stufen einzuteilen:
🔴 ROT: Stopp. Ich brauche eine Pause.
- Anzeichen: Ich bin gereizt, ungeduldig oder emotional nicht verfügbar.
- Was tun?
- Durchatmen.
- Sofort Pause einlegen – Kaffee im Garten, Mini-Meditation, Yoga etc. – auch wenn es nur 10 Minuten sind.
- Ehrlich sein: „Ich braucht jetzt eine Minute. Danach können wir gemeinsam spielen.“
- Eine Aufgabe abgeben (z. B. Partner:in oder Freund:in um Hilfe bitten).
- Wie geht es weiter: Ich schaue, dass ich mindestens wieder zu Gelb komme, bevor ich mit anderen agiere.
🟡 GELB: Ich bin da, aber nicht voll.
- Anzeichen: Ich schaffe es, aber es fühlt sich an, als würde ich nur „Dienst nach Vorschrift“ machen.
- Was tun?
- Wie bei ROT, zusätzlich
- Prioritäten setzen: Was ist heute wirklich wichtig für uns als Familie?
- Qualitätszeit einplanen (z. B. 10 Minuten bewusstes Zuhören beim Abendessen).
- Wie geht es weiter: Kurzfristig komme ich nicht in den grünen Bereich, also versuche ich, den gelben Bereich zu festigen.
🟢 GRÜN: Ich bin wirklich da.
- Anzeichen: Ich bin präsent, geduldig und kann die Zeit mit meinem Sohn genießen und auf ihn oder andere eingehen.
- Was tun?
- Diese Momente bewusst wahrnehmen – ohne Ablenkung.
- Dankbarkeit ausdrücken (z. B. „Ich freue mich, dass wir jetzt zusammen sind.“).
Was sich verändert hat durch Selbstfürsorge – für uns alle
Als ich begann, auf meinen Energielevel zu achten, merkte ich schnell: Es profitierte nicht nur ich, sondern meine ganze Familie.
- Mein Sohn spürte, dass ich wirklich da war – nicht nur körperlich, sondern auch emotional.
- Unsere Beziehung wurde tiefer, weil ich wieder Zeit für Spontanität hatte.
- Ich bin weniger gereizt, weil ich nicht mehr ständig am Limit lebe.
- Ich bin produktiver, obwohl ich mehr Me-Time einplane.
Selbstfürsorge ist kein Egoismus – sie ist die Grundlage, um für mich und meine Familie da zu sein.
3 Dinge, die ich heute anders mache
- Ich plane Zeit für mich ein – nicht nur für mich, sondern für uns.
- Beispiel: Morgens eine halbe Stunde, bevor alle wach sind.
- Ich sage öfter „Nein“ – um „Ja“ zu den wichtigen Momenten zu sagen.
- Nicht jede Verpflichtung ist es wert, unsere gemeinsame Zeit zu opfern.
- Ich involviere meinen Sohn – damit er versteht, dass auch Erwachsene Pausen brauchen.
- Beispiel: „Ich muss jetzt kurz durchatmen, dann bin ich wieder ganz bei dir.“
Was kannst du daraus ziehen?
- Frage dich: „Bin ich gerade wirklich präsent – oder nur anwesend?“
- Plane eine Mini-Pause ein, bevor du mit deiner Familie Zeit verbringst.
- Überlege für dich (und erzähl es mir gerne in den Kommentaren):
- Wo stehst du gerade (Rot/Gelb/Grün)?
- Was hilft dir, präsent statt nur „funktionierend“ zu sein?
Selbstfürsorge: Präsenz statt Perfektion
Warum ich das hier teile?
Weil viele Eltern dieses stille „Ich kann nicht mehr“ kennen – und glauben, sie müssten einfach durchhalten.
Doch Selbstfürsorge ist kein Egoismus. Sie ist die Grundlage, um für andere da zu sein.
Ich dachte immer, das ist normal, ich muss einfach noch etwas durchhalten. Doch heute weiß ich: Selbstfürsorge ist kein Nice-to-Have. Sie ist die Voraussetzung, um die Menschen, die dir am wichtigsten sind, wirklich zu sehen.
Dein Akku ist ständig im roten Bereich und du weißt gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, im grünen Bereich zu sein? Dann lass uns reden – für dich, deine Gesundheit und deine Liebsten.